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Ökofaires Engagement lohnt sich

Ein Interview mit der Gemeinde Pries-Friedrichsort

14.02.2022 | Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Pries-Friedrichsort in Kiel ist im Juni 2021 wiederausgezeichnet als ÖkoFaire Gemeinde. 2018 ist die Gemeinde in den Prozess gestartet und seitdem hat sich viel verändert - Recyclingpapier, Pelletheizung und Blühwiese sind nur einige Stichworte. Wir haben es zum Anlass genommen und nachgefragt. Die Quintessenz: Es lohnt sich Zeit und Mühe zu investieren für den Klimaschutz und den Planeten und vor allem auch für die Kosteneinsparung. Ein Tipp aus der Gemeinde: „Fangen Sie beim Energieverbrauch an.“

Ausgezeichnet seit: August 2018

Wiederauszeichnung am: Juni 2021

Mit welcher Motivation beteiligen Sie sich weiterhin an der Aktion Ökofaire Gemeinde?

Sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe sind die Motivation für unsere Kirchengemeinde, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

Die Beschäftigung mit den Folgen des Klimawandels macht uns zunehmend deutlich, dass ein dringender Handlungsbedarf für die Erreichung von Klimaneutralität bis 2030 besteht. Weil wir als Christen unseren Auftrag in der Bewahrung der Schöpfung sehen, folgt für uns daraus die Verantwortung, in unserem Einflussbereich das uns Mögliche dazu beizutragen.

Unsere Erfahrungen zeigen aber auch, dass wir damit unsere Ausgaben reduzieren können. Zum Beispiel verbrauchen wir nur noch die Hälfte an Papier und ein Drittel weniger Strom. Bei der Heizung wurden durch energetische Sanierungen und den Einbau einer Pelletheizung in den letzten zehn Jahren 46.000 Euro eingespart. Durch die zur Zeit stark gestiegenen Energiepreise werden voraussichtlich allein in diesem Jahr ca. 10.000 Euro weniger Heizkosten anfallen, weil der Preis für Gas mehr als doppelt so hoch ist wie der Pelletpreis. Durch die Photovoltaikanlagen erzielen wir durchschnittliche Einnahmen von ca. 6.500 Euro im Jahr.

Weitere Angaben zur Verbrauchs- und damit Kostenreduzierung hier:

Gemeindebrief September 2021 (pdf als download)

Gemeindebrief, Grafiken September 2021 (pdf als download)

Auszeichnung 2018

Welche Projekte haben Sie seit der Erstauszeichnung neu umgesetzt?

Verwendung von Recyclingpapier und, wo möglich, doppelseitigem Ausdruck.

Für Bürobedarf werden umweltfreundliche und recyclingfähige Alternativen benutzt.

Einsatz von energiesparender Beleuchtung (z. B. LED-Lampen).

Es werden nur Reinigungsmittel mit EU-Umweltsiegel oder Blauem Engel verwendet.

Bei Lebensmitteln wird beachtet, dass sie regional, saisonal, sozialverträglich und aus ökologischem Anbau sind.

Energetische Dachsanierung in einem Pastorat und Küsterhaus mit zwei weiteren Photovoltaikanlagen.

Neben dem Gemeindehaus wurde eine Blühwiese für Bienen und andere Insekten angelegt.

Blumenwiese

Welchen Tipp haben Sie für Kirchengemeinden, die sich auch auf den Weg zu einer ÖkoFairen Gemeinde machen wollen?

Fangen Sie beim Energieverbrauch an, weil er die größten Auswirkungen auf das Klima hat und am stärksten die Kosten verringern kann. Dafür sollte für jedes Gebäude ein Energiegutachten durch einen Energieberater erstellt werden (hierfür gibt es staatliche Zuschüsse). In dem Gutachten wird der energetische Zustand der Gebäude erfasst und berechnet, welche Investitionskosten erforderlich sind, wann die Amortisation erreicht wird und in welchem Ausmaß die Emissionen reduziert werden können.

Lassen Sie überprüfen, auf welchen Gebäuden die Installation einer Photovoltaikanlage möglich ist. Sie können die Anlage auch von einem Contracting Unternehmen mieten, das die Installation und den Betrieb übernimmt und Sie an den Einnahmen beteiligt.

Der Weg zur ÖkoFairen Gemeinde ist aufwendig und bei oft überlasteten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen fällt die Entscheidung dafür vielleicht schwer. Aber die Auswirkungen, wenn wir zu wenig tun, sind so gravierend, dass wir bei einer nach derzeitigem Stand zu erwartenden Erwärmung um 2,7 Grad „auf einem anderen Planeten“ leben werden (Johan Rockström, schwedischer Klimaforscher).

Das Erleben der Zufriedenheit über den selbst geleisteten Beitrag zum Klimaschutz und zur Verringerung der Ausgaben sollte man sich nicht entgehen lassen. Allein dafür lohnt sich der Aufwand.

Wer / wie viele Menschen sind an der Aktion beteiligt? Haben Sie Kooperationspartner außerhalb der Kirchengemeinde?

Alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind vor allem bei der Beschaffung in ihren Aufgabenbereichen beteiligt, wobei es hier noch Verbesserungspotential gibt. Die Mitglieder des Kirchengemeinderates sind besonders bemüht, die Klimaschutzmaßnahmen ständig zu verbessern.

ÖFG-Schild am Kirchenaufgang

Wird die Aktion im Ort / im Stadtteil wahrgenommen? Berichten Sie außerhalb der Kirchengemeinde darüber?

Wir berichten regelmäßig im Gemeindebrief über unsere Aktionen als ÖkoFaire Gemeinde und über die Folgen des Klimawandels. Der Gemeindebrief wird in alle Haushalte des Stadtteils verteilt. Inwieweit das auch in der Bevölkerung wahrgenommen wird, ist schwer zu beurteilen. Bei besonderen Aktionen gibt es einen Artikel in der örtlichen Tageszeitung.

Welche Themen haben Sie auf Ihrer Wunschliste, die Sie bisher nicht umsetzen konnten?

· Verbesserung der Dachdämmung auf dem Gemeindehaus

· Nächstes Gemeindeauto mit Elektroantrieb

· Installation einer Ladestation

· (Lasten)Fahrrad mit Elektromotor

· Verbesserung der Digitalisierung zur Verringerung des Papierverbrauchs

· Bei den Mitarbeiter*innen das Bewusstsein für nachhaltige Beschaffung verstärken.

Die gesamten CO2 Emissionen der Gemeinde

CO2 Emissionen