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Ökofaires Engagement auf Sylt

Interview mit der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Westerland

10.05.2022 | Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Westerland auf Sylt wurde dieses Jahr wiederausgezeichnet als ÖkoFaire Gemeinde. 2018 ist die Gemeinde in den Prozess gestartet und seitdem hat sich viel verändert. Beispielsweise wird vor allem auf dem Friedhof der Kirchengemeinde auf Nachhaltigkeit und Biodiversität geachtet. Wir haben die Wiederaufzeichnung zum Anlass genommen und nachgefragt.

Pastorin Anja Lochner und Friedhofsverwalter Sprenger im Interview: 

Mit welcher Motivation beteiligen Sie sich weiterhin an der Aktion ÖkoFaire Gemeinde?

Pastorin Lochner: Das Thema Schöpfung, Schöpfungsgerechtigkeit, Ökologie und Fairtrade begleitet mich mein ganzes erwachsenes Leben und ist mir eine Herzensangelegenheit. Als Pastorin sehe in der Initiative ökofair eine ausgesprochen gute Möglichkeit Glauben und Handeln zu verbinden. Als Institution hoffe ich, dass wir ein Multiplikator und gutes Vorbild sind. 

Herr Sprenger: „Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen.“ – Ceddies Mutter aus der kleine Lord.

Welche Projekte haben Sie seit der Erstauszeichnung neu umgesetzt?

Pastorin Lochner: Seit sicher 15 Jahren trinken wir fairen Kaffee und beziehen Ökostrom. Unseren Bürobedarf haben wir vor zwei Jahren gerade neu und ökofair einrichten lassen, unsere Getränke kaufen wir von regionalen Anbietern und auch bei den Reinigungsmitteln achten wir auf ökologische Nachhaltigkeit. 

Dazu kommt, dass ich privat ein E-Auto nutze und versuche, so gut es geht auf Plastik zu verzichten. 

Außerdem ist unser Naturkindergarten der Gemeinde ein tolles Best-Practice-Beispiel. 

Herr Sprenger: Es wird komplett auf den Zukauf von Industrie-Erden verzichtet. Stattdessen wird der eigene Friedhofs-Kompost mit Pferdeäpfeln gemischt und auf den Grabstätten verteilt. Die Vorteile dabei sind die kurzen Transportwege (alles wird lokal auf Sylt produziert), keine Plastikverpackung, kein Abbau von Hochmoortorf und die geringen Kosten. 

Sie haben auch Ihren Friedhof besonders in den Blick genommen. Welche Themen waren für Sie am eindrücklichsten/überraschendsten und warum?

Herr Sprenger: Die anfängliche Skepsis des Kirchengemeinderates gegenüber den Friedhofsbienen. Es gab einige Vorurteile, wie zum Beispiel, dass die Arbeitszeit verloren geht, weil Friedhofsmitarbeiter*innen versuchen, einen Schwarm Bienen wieder einzufangen. Oder, dass Mitarbeiter*innen sich auf Kosten des Friedhofs bereichern und den Honig teuer verkaufen und die Besucher*innen von den Bienen gestochen werden könnten. 

Haben Sie einen Tipp für Kirchengemeinden, die sich neu auf den Weg zu einer ÖkoFairen Gemeinde machen wollen?

Pastorin Lochner: Interesse wecken und dann einfach machen, möglichst MitarbeiterInnen und Kirchengemeinderat breit mitnehmen. 

Herr Sprenger: Meiner Meinung nach herrscht in der Bevölkerung aktuell der Wunsch zu mehr nachhaltigen Wirtschaften. Die angestoßenen Veränderungen stoßen also auf offene Ohren, auch wenn es für den einzelnen Verbraucher/Kunden erst mal Nachteile hat, z.B. Preiserhöhung oder Pferdeäpfel auf der Grabstätte …

Welche Themen stehen noch auf Ihrer Wunschliste, die Sie bisher nicht umsetzen konnten?

Pastorin Lochner: Wir würden gern unterstützt E-Bikes für MitarbeiterInnen anschaffen und wünschen uns eine neue Einordnung des Denkmalschutzes bei Renovierungen von denkmalgeschützten Pastoraten für z.B. den Bau von Solaranlagen auf Kirchen.

Herr Sprenger: Ein Wunsch von mir ist die Umsetzung des Beschlusses der Kirchenkreissynode bis 2032 klimaneutral zu wirtschaften. Zudem wäre es schön, wenn jede Maschine mit Verbrennungsmotor, die ersatzbeschafft werden muss, durch einen elektrischen Antrieb ersetzt wird und wenn die Gasheizung ausgetauscht werden muss, auf Solar, Wind und Wärmepumpe zum Heizen und Warmwasser umgerüstet wird. Der Verzicht darauf, Grabstätten mit Tanne abzudecken, um Rodung von Bäumen zu reduzieren, und eine Reerdigung stehen ebenfalls auf meiner Wunschliste.